26. Oktober – Nationalfeiertag

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Die ÖsterreicherInnen und ihr Nationalfeiertag

Es ist wahrscheinlich, daß auch 2022 bei Weitem nicht alle ÖsterreicherInnen über den geschichtlichen Ursprung dieses Tages Bescheid wissen.
Laut einer IMAS-Umfrage im Auftrag der „Presse“ konnten 2008 nur noch 44 Prozent der ÖsterreicherInnen genau sagen, welches Ereignis dem Nationalfeiertag zugrunde liegt. 42 Prozent waren „so ungefähr“ dazu in der Lage.

Weniger als 50 Prozent der ÖsterreicherInnen wissen Bescheid!

PS: Herzog Leopold V. wird am 26. Oktober übrigens nicht gedacht.
PPS: der letzte ausländische Soldat verließ Österreich am 25. Oktober 1955.

Der 26. Oktober könnte ein Tag sein, an dem man sich an ein denkwürdiges Ereignis erinnert, aus der Geschichte lernt und die Gegenwart reflektiert. Ja, aber an welches Ereignis sollen wir uns erinnern? Ja, aber wozu sollen wir aus der Geschichte lernen und die Gegenwart reflektieren? Bevor man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, frönt Herr und Frau ÖsterreicherIn an ihrem Nationalfeiertag lieber dem Wandern.

Entgegen verbreiteter Mythen ist Österreichs Neutralität nicht im Staatsvertrag, sondern in einem eigenen Bundesgesetz geregelt. Am ersten Tag nach dem offiziellen Ende der Besatzung, dem 26. Oktober 1955, beschloss der Nationalrat das Gesetz im Verfassungsrang.

Die Neutralitätserklärung Österreichs

Den historischen Anlaß für den Nationalfeiertag bildet die Neutralitätserklärung Österreichs vom 26. Oktober 1955. Marco Schreuder bringt in dem Beitrag „Warum der 8. Mai und nicht der 26. Oktober Nationalfeiertag sein muss“ nicht nur die Chronologie der Ereignisse um diesen Tag in Erinnerung, er hinterfragt auch, warum nicht der 8. Mai 1945, die Befreiung vom Faschismus als nationales, identitätsstiftendes Ereignis gefeiert wird.

Ob nun 26. Oktober oder 8. Mai: Nehmen wir den Nationalfeiertag zum Anlaß, den durch den Nationalsozialismus Verfolgten und Ermordeten zu gedenken und uns auch jener Menschen zu erinnern, die ihr Leben im Kampf gegen den Nationalsozialismus und für ein freies Österreich eingesetzt haben.

Sollte der 26. Oktober nicht ein Tag sein, an dem man sich an ein denkwürdiges Ereignis erinnert und die Gegenwart reflektiert. Ja, aber woran sollen wir uns erinnern? Hat am 26. Oktober 1955 vielleicht der letzte Besatzungssoldat Österreich verlassen? Oder soll der Nationalfeiertag an Herzog Leopold V. erinnern? Er „verteidigte“ im 3. Kreuzzug 1191 vor Akkon den christlichen Glauben. Die Legende weiß zu erzählen, daß, als man ihm den Schwertgurt nach der Schlacht abnahm, der blutrote Waffenrock in der Mitte einen weiß gebliebenen Streifen hatte…

Bücher zum Thema:

Die Freiheit frei zu sein von Hannah Arendt

Johanna von Renate Welsh

Die alte Johanna von Renate Welsh

Sternstunden Österreichs – Die helle Seite unserer Geschichte von Gerhard Jelinek

 

WARUM DER 26. OKTOBER

Am 15. Mai 1955 wurde der Staatsvertrag im Marmorsaal des Schlosses Belvedere von den Außenministern Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow (Sowjetunion), John Foster Dulles (USA), Harold Macmillan (Großbritannien), Antoine Pinay (Frankreich) und Leopold Figl unterzeichnet. Dieser Vertrag bildet sozusagen den Ausgangspunkt für die Ermittlung des Nationalfeiertagsdatums.

Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 (B.G.Bl. 152/1955) betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich.

  • Staatsvertragsunterzeichnung 15. Mai 1955.
  • Am 27. Juli 1955 wurde die letzte Ratifikationsurkunde hinterlegt und der Staatsvertrag trat in Kraft.
  • Von diesem Datum an begann eine 90-Tage-Frist zu laufen (27. Juli + 90 Tage = 25. Oktober). Bis zu deren Ende musste der letzte Besatzungssoldat das Land verlassen haben.
  • Der erste Tag nach Ablauf dieser Frist war der 26. Oktober 1955. An diesem Tag erklärte Österreich in einem Verfassungsgesetz seine Neutralität.

Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 über die Neutralität Österreichs:

Artikel 1: Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.

TAG DER FAHNE

(c) Jürgen Sieber on Pixabay

Von 1955 bis 1964 wurde der Tag der Fahne gefeiert. In einem Erlaß forderte der Bundesminister für Unterricht, Heinrich Drimmel (ÖVP) die LehrerInnenschaft auf, den SchülerInnen am 25. Oktober die Bedeutung dieses Tages zu vermitteln und ordnete aus diesem Anlaß die feierliche Hissung der Nationalflagge an.

Radiobotschaft von Sektionschef Eduard Chaloupka zum Tag der Fahne.

NATIONALFEIERTAG

1965 wurde der 26. Oktober zum Österreichischen Nationalfeiertag erklärt. Seit dem Jahr 1967 gilt an diesem Tag die Feiertagsruhe.

Links zu den Themen Nationalfeiertag – Staatsvertrag – Geschichtswahrnehmung – Österreichische Nation

www.staatsvertrag.at – eine akustische Webausstellung

Literatur zum Thema der immerwährenden Neutralität Österreichs

Demokratiezentrum Wien: 26. Oktober 1975: Eine halbe Million Österreicher auf dem langen Weg – 20 Jahre neutrales Österreich. Austria Wochenschau 44/75.

Erna Appelt, Österreichische Geschichtswahrnehmungen

Gustav Spann: Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages

Heidemarie Uhl: Der Staatsvertrag – Ein Gedächtnisort der Zweiten Republik

 

Verfasser von Teilen dieses Beitrags: Der Duft des Doppelpunktes – Kultur- und Wissenschaftsinitiative – https://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/

Zeitgemäße Abänderungen, Ergänzungen und Aktualisierungen von Herta Masarié.

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